10 Fragen und 10 Antworten

 

1. Wie heißt Du?Das ist eine alternativtext

Ich habe einen inzwischen sehr ungewöhnlichen und leider vom Aussterben bedrohten bayerischen Namen -  ich heiße Hans.

Da mein Vater auch Hans heißt, so war ich von Anfang  an die kleinere Lightversion vom Hans mit einem „i“ hinten dran, ein „Hansi“ sozusagen. Wenn meine Mutter jedoch dreimal hintereinander rief: „Haaaaaansi, Essen ist fertig“ und Hansi dann immer noch nicht ankam, so schallte ein lautes „Johann, jetz schau, dass Du endlich zum Essen zuara kimmst!“ über den Hof. Wenn ich so darüber nachdenke, war ich sehr oft ein Johann, weil Hansis normalerweise was Besseres oder Interessanteres zu tun hatten als zum Essen zu kommen.

Übrigens: Meine Frau hat diese Eigenschaft übernommen, sie ruft auch des öfteren nach Johann.

 

2. Wie war Deine Kindheit?

Ich habe eine unwahrscheinlich schöne, unbeschwerte und freie Kindheit erleben dürfen und hatte das große Glück, keinen Kindergarten besuchen zu müssen. Das Wort „Erziehung“ hat etwas unfreiwilliges, zwanghaftes an sich. Bei den Indianern gibt es gar kein Wort für Erziehung. Sie sprechen dabei: „Wir müßen den Kindern helfen, ihren Weg ins Leben zu finden“. In diesem Zusammenhang fällt mir ein Sprichwort ein: „Das Gras wächst nicht schneller wenn man daran zieht.“ Leider wird an unseren Kindern heutzutage viel zu früh und fest „gezogen“ und so bin ich froh, dass meine Generation noch viel mehr Zeit und Freiraum hatte, um zwangloser und selbständiger wachsen zu können.

Freizeitpark um 1970 mit Sandkasten Erlebniswelt

Freizeitpark um 1970 mit Sandkasten Erlebniswelt

Mein Spielplatz, heute sagt man glaube ich “Playstation” dazu, war der elterliche Bauernhof. Jeder Tag war voller Abenteuer und wir waren abends voller Staub und Dreck.  Papa hatte einen großen alten Schrank auf den Boden gelegt und diesen mit Sand gefüllt, dass war der beste Sandkasten der Welt. Wir konnten und durften ein Butterbrot essen, ohne uns vorher unbedingt die Hände waschen zu müssen, und haben dies auch überlebt.  Nur einmal in der Woche wurde samstags gebadet. Eine Badewannenfüllung Wasser mußte dabei für 3 Kinder und eine Oma reichen. Wir tranken liebend gerne frische Kuhmilch (die niemals vorher abgekocht wurde)  und  ganz sicher unwahrscheinlich hohe Keimzahlen hatte, weil ab und zu schon mal eine Fliege in der Milchkanne obenauf schwamm. Wir hatten auch kein Trampolin im Garten und ein heute öffentlicher Gemeindespielplatz nach DIN EN 1176 hätte uns wohl sehr schnell gelangweilt.

Wir hatte keine Probleme mit Allergien, dafür gab es andere Probleme.  Zwei Banden „regierten“ damals bei uns im Dorf.  Die Cowboys und die Indianer.  Ich war natürlich bei den Indianern. Die Cowboys, von uns  „Muckbande“ genannt, lauerte uns mal auf, als wir drüben im Fluggibach badeten.  Sie versteckten einmal  unsere  Klamotten und so mußte eine Gruppe achtjähriger  Indianer nackt auf  ihren Bonanzarädern nach Hause fahren, um sich neu einzukleiden. Heute ”reiten” keine nackten Indianer mehr auf Bonanzarädern durch Piflas. Das finde ich schon irgendwie schade.

 

3. Was fällt Dir zum Thema Schule ein?

 

Früher sollten die Kinder in die Schule gehen mit dem Ziel etwas zu lernen. Heute müßen die Kinder ins Gymnasium gehen um etwas zu werden. Das Werden ist also wichtiger geworden als das Lernen.

Aus heutiger Sicht wurden wir damals sehr „dumm“ eingeschult. Dafür hatten wir aber bereits mit 6 Jahren ein „Hochschuldiplom“ im Bau von Steinschleudern, Hühner fangen, Radelschlauch noch selber flicken, Bulldog fahren bei Erntearbeiten, Schwarzfischen im „Dreibuamaweiher“… und im Lager bauen und Mädl trazn waren wir Weltmeister.

Die Schule war ein Ort, den ich mit mal mehr oder weniger großer Freude zu Fuß aufsuchen  mußte. Die Betonung liegt dabei auf „zu Fuß aufsuchen“. Meinen Eltern wäre es niemals in den Sinn gekommen, mich dort mit dem Auto hinzukarren. Auf dem Schulweg gab es oft auch mehr zu lernen und Dinge für das Leben zu erfahren als im Unterricht selbst. Wenn ich so zurückdenke, gab es damals in der Grundschule auch nur einen einzigen Preußen in der ganzen Schule, das war der Olaf. Heute „olaft“ es gewaltig an und in unseren preußisch, bayerischen Schulen.

In der 8. und 9. Klasse wurden im Geschichtsunterricht  so rot hinterlegte Textblöcke abgefragt.
Dinge auswendig zu lernen war für mich immer ein Graus. Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, ich sei ein Kassettenrecorder, bei dem die „Recordtaste“ nicht richtig funktioniert. Aber mit Hilfe meiner Oma, welche mich ständig abfragte, gelang es mir einen Text einzutrichtern, den ich bis auf den heutigen Tag immer noch aus dem FF auswendig aufsagen kann: „Das Verhältnis eines Großteils der Bevölkerung zur Weimarer Republik war von Anfang an belastet. Radikale von rechts und links gewannen immer mehr Anhänger einig in der Ablehnung der Demokratie…“ Bei einem Klassentreffen habe ich diesen Text aufgesagt und mußte im Anschluß voller Entsetzen feststellen, dass keiner meiner damaligen Mitschüler (ned amoi da Streberfranze aus der 8b) auch nur einen Hauch von Ahnung hatte über die Weimarer Republik. Mein „Kassettenrecorder” scheint also doch nicht so schlecht zu funktionieren.

 

4. Wo wohnst Du?

Ich wohne in Piflas, ein kleiner Ort der zwischen der Stadt Landshut und der Gemeinde Ergolding „eingezwickt“ ist.  Den Drang, oder besser gesagt das Glück, dass ich nicht in einer inzwischen fast dialektfreien Großstadt wie München leben und arbeiten muß, schätze ich sehr.

 

5. Worüber kannst Du Dich so richtig freuen?

Über meine Familie, jeden neuen Tag, Freunde, Zwetschgenmaultaschen, den satten Bums einer Horex Regina, wenn jemand am Ende meines Buches sagt oder denkt: „So seh´g i des a“; der erste „Husterer“, der zu hören ist, wenn man  beim alten Eicher Bulldog den Anlasser drückt, Bilder die eine Geschichte erzählen, Giggerlhaut, Radlermaß und einen Wurstsalat in Weihbüchl im Biergarten, wenn Dir Deine Kinder aus Deinem Buch vorlesen, Menschen die sich ganz ehrlich mit  Dir mitfreuen und mitärgern können, wenn im Frühling  ganz dick der Löwenzahn auf den Wiesen blüht und der Wind den „bösen“ Pusteblumensamen in die spießig, deutschen Gärten weht, dann zaubert diese „Naturkatastrophe“ ein breites Grinsen in mein Gesicht und in meine Indianerseele die zum Glück kein Unkraut kennt.

Wenn ich nach einem Auftritt z.B. solche Zeilen in meinem Postfach finde:

Hallo Herr Pollner,

…zugegeben, ich war sehr skeptisch, wusste ja nicht was mich da erwarten wird…aber es war so was von Klasse und vor allen Dingen so anders: mit Nachwirkung !

Es tut so gut, dass Sie sich abheben von den aus den Boden sprießenden “Spaßmachern”. Die für mich teilweise nur schwer oder überhaupt nicht zu ertragen sind. Ihr Programm ist zum Lachen, zum Wohlfühlen, zum Erholen, zum Nachdenken, zum Leben genießen -  nur mit dem Unterschied, dass es greifbar – real ist – in Bayern stattfindet – das schöne Leben!

 

5. Was magst Du nicht so gern?

Neid, Mißgunst und dass sich unterm Strich alles auf dieser Welt immer nur um das depperte Geld drehen muß. Dass ich neuerdings einen Terminkalender brauche, um alles gebacken zu kriegen, Menschen, die das teuerste vollsyntetische Öl in ihr Auto schütten und das billigste Salatöl über Speisen gießen, die sie im Anschluß selber verzehren. (Alle-wollen-wir´s-billig-hom-Gesellschaft)
„Photo voll Teig“ immer und überall egal zu welchen Preis, Wörter wie: „Tschüß, Coffee to go, chillen, No Go…“ „Plastikbayern“ und das Oktoberfest.

 

6. Gibt es Menschen die Du als Vorbild siehst?

Mein größtes Vorbild ist meine Mutter. Ihre Lebensfreude und Zufriedenheit, die sie Tag für Tag ausgestrahlt hat, ermutigt mich gerade dann, wenn ich mich über Kleinigkeiten im Alltag ärgere oder wenn Dinge nicht so laufen, wie sie laufen sollen. Die Phantasie und Erzählungsgabe einer Astrid Lindgren oder eines Michael Ende sind für mich meisterhaft und können uns sehr viel lehren. Der Humor und die Wortspielereien von Karl Valentin, Fredl Fesl und Heinz Erhard mag ich sehr. Dann gibt es noch den Luk. Luk  ist 95 Jahre alt, seine Lebenserfahrung und Weisheit passt in keinen Computer dieser Welt.

 

7.Was bedeutet für Dich Fotografie?

ALLES – ANDERS – ALS – ALLE – ANDEREN

Das ist die Grundformel und das Basisrezept für meine Art der Fotografie und des Bildermachens. Wer sich diese fünf „A A A A A“ zum Grundsatz macht, der wird sich bei all seinem Tun abheben von der breiten Masse und vom kommerziellen Einheitsbrei. Anderssein muß aber nicht heißen, dass man automatisch lauter, schneller, höher, schriller, bunter… sein muß, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Anders zu sein setzt für mich Kreativität voraus und die Bereitschaft, Dinge mit Herz, Verstand, Feingefühl und oft auch mit Humor zu sehen.

Auffällige Dinge, die leuchten und glänzen, sind einfach zu sehen und zu fotografieren. Für mich jedoch besteht eine der größten Herausforderungen in der Photographie darin, „matte“ und unscheinbare Dinge durch das Auge einer Kamera AAAAAnders zu sehen und dadurch zum Glänzen zu bringen.

Zu all denen, die die Perfektion in der Fotografie suchen oder diese anstreben, die mit Megapixeln und Technik aufmunitioniert sind und meinen, damit “bessere” Bilder zu machen, möchte ich an dieser Stelle folgendes sagen: “Ein entschlossener Mensch wird mit einem Schraubenschlüssel mehr anzufangen wissen, als ein unentschlossener mit einem ganzen Werkzeugkasten”. Die wichtigsten “Werkzeuge” sind nicht unsere Kameras oder Computer – es sind unsere Köpfe, Augen und Ideen. Es “liegt” soviel herum auf unserer Welt, man muss es einfach nur sehen und aufheben und sollte nicht achtlos darüber hinwegsteigen.

 

8. Dinge die Du gern mal machen würdest?

1001 Maulwüfe heimlich in der Nacht auf einem Golfplatz aussetzten, um 3 Tage später mit Bauer Pümpel dort ein Fotoshooting zu machen.

Mit Werner Schmidbauer ein Gipfeltreffen auf´m niederbayerischen Lusen machen.

Mit dem alten Eicher Bulldog und meinem Bauwagen nach Venedig fahren auf einen Bananensplit in einer Eisdiele.

Das Internet, alle Handys und Navis für 2 Wochen komplett abschalten.

Mich als Dschungelbuch-Bär Balou verkleiden,  in eine Straßenkehrmaschine setzen, um dann im Berufsverkehr am mittleren Ring in München mit 7 km/h zu fahren. Dabei vor mich hinpfeifen und singen: “Probiers mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit…”

In allen Schulen nicht nur für Kinder und Lehrer , sondern auch für Eltern das Pflichtfach “Denken, Reden und Handeln mit gesundem Menschenverstand” einführen.

 

9.  Gibt es schon Pläne für ein weiteres Buch oder Projekt?

Ich habe schon einige neue Sachen geschrieben und auch Bilder dazu gemacht. Dann hab ich noch viel mehr Ideen  im Kopf. Dinge, die aber erst noch auf eine Umsetzung warten. Da ich nicht den Zwang oder den Druck habe, jedes Jahr was Neues sozusagen als “Fastfood” auf den Markt zu bringen, kann und werde ich mir die Zeit nehmen zum Zutaten sammeln, zubereiten, kochen, würzen, abschmecken, servieren…  Ein aufgewärmtes “So sehg i des Reloaded” mit Ketchup und Pommes wird es aber nicht geben. Aber wer woaß, vielleicht an Kaiserschmarrn To Go?

 

10.  Letzte Frage – Welche zehn bayerische Gebote würdest Du persönlich in Steintafeln hauen, um diese dann in München und für jedermann sichtbar am Stachus aufzustellen.

1. Rede bayerisch (gerade in München) und benutze Deutsch in Ausnahmefällen als erste Fremdsprache

2. Sitze stets mit mehr Freunden im Biergarten als in Facebook

3. Trinke ausnahmslos bayerisches Bier, alternativ Kracherl oder Pollner Milch

4. Meide Geschäfte, in denen alles „dauerbillig“ ist und das Wort “SALE”  im Schaufenster steht

5. Heilige den Sonntag, gehe zum Frühschoppen und nicht zum Brunch

6. Du sollst nicht bauen ein Toskanahaus

7. Du sollst nicht verfallen der “Energier” und dem „Ruach“ und verschandeln deine Heimat
     mit Windrädern und “Photo voll Teig”

8. Sei Bayer das ganze Jahr über und verkleide Dich nicht dafür am Oktoberfest

9. Begehre die Frucht des Zwetschgenbaumes und mach daraus Zwetschgendatschi

10. Beschimpfe oder beleidige niemand mit dem Wort “Tschüß”

Fredl Fesl über
dieses Buch:

Wunderschöne Wortspiele
und skurrile Gedanken
zu herrlichen Bildern
Herzlichst
Fredl Fesl


Tom Bauer
über den Buchautor
Hans Pollner
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